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August 22, 2017

RT spricht mit russischen IS-Waisen in einem Kinderheim in Bagdad — RT Deutsch


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RT hat in einem Waisenheim in Bagdad Kinder von IS-Kämpfern aus Russland und GUS-Staaten besucht. Die Kleinen kennen kein friedliches Leben, nur Explosionen, Schüsse und Hunger. Teil 2 des Exklusivberichts über minderjährige Opfer der islamistischen Ideologie.

Zuvor hat RT berichtet, wie sich Russlands Behörden darum bemühen, die so genannten Dschihad-Waisen nach Hause zu bringen. Dabei handelt es sich um 48 Minderjährige, deren Eltern sich der Terrororganisation „Islamischer Staat“ angeschlossen haben und mit ihrem Nachwuchs nach Syrien und in den Irak ausgewandert sind.     

In einem Bagdader Kinderheim wohnen momentan fünf Jungen und Mädchen, die Russisch sprechen. Die meisten Waisen haben tschetschenische Wurzeln. An ihr Leben in Russland können sie sich zwar nicht mehr erinnern. Sie vermissen aber ihre Familien sehr und warten auf die Rückkehr. 

Fatima und Chadidscha sind Schwestern. Sie müssen ungefähr fünf Jahre alt sein. Ihre Eltern haben die Mädchen im Irak verloren. In der russischen Teilrepublik Tschetschenien könnten sie aber Verwandte haben. Die ordentlich gekleideten Kinder scheuen zuerst jeden Kontakt zu dem RT-Drehteam. Später werden sie aber allmählich gesprächiger.      

Oma und Opa wohnen in einer Stadt. Sie ist sehr fern von hier. Wie die Stadt heißt, weiß ich nicht. Hier haben wir in Mossul gelebt. Man bombardierte uns. Es gab kein Essen. Vater ging arbeiten: Er lieferte allen Benzin, Dieselöl und Wasser. Dann brannte ihm alles weg, sogar das Wasser, und er bekam eine neue Stelle“, erzählt Chadidscha.   

Die Eltern der Mädchen dürften wohl während der Gefechte um die nordirakische IS-Hochburg ums Leben gekommen sein.

„Man hat auf uns ein Hauin [Arab. für Granatwerfer, Granatbeschuss – Anm.d.Red.] abgeworfen: Es gab Feuer. Ein Splitter traf Fatima. Vater und Bruder lagen auf einem Stein und starben“, fährt Chadidscha fort.  

Was ihrer Mutter Nassija zugestoßen ist, können die Mädchen nicht klar sagen: „Mutter lebt – sie liegt neben einem Fluss.“

„Mein Vater hat selbst ein Hauin geworfen. Ein Auto hat gebrannt“, schließt sich Biljal dem Gespräch an, der neben den Schwestern sitzt. Seine Eltern dürften wohl auch aus Tschetschenien stammen.

Die Kinder sind mit ihrem Leben im Waisenheim ziemlich zufrieden.

„Hier isst man gut. Es gibt Schokolade“, sagen die Mädchen.

„Es gibt auch Fleisch, Reis, Kartoffeln, Karotten. Wir essen selbst“, präzisiert Biljal stolz.

Außer Russisch kann der Junge auch eine „andere“ Sprache. Arabisch wollen die Kinder aber nicht sprechen.

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Etwas abseits von allen anderen Kindern sitzt ein etwas älteres Mädchen. „Ich heiße Maria. Ich bin acht Jahre alt. Ich spiele hier mit niemandem. Ich sitze nur auf dem Bett“, teilt sie schüchtern mit.  

Die Eltern von Maria stammen vermutlich aus Tadschikistan. Sie dürften zuerst nach Ägypten und dann in den Irak gereist sein.

Ich wurde in Misr [Arab. für Ägypten – Anm.d.Red.] geboren. Dort wurden auch meine zwei Schwestern und mein Bruder geboren. Hier wurden noch ein Bruder und noch eine Schwester geboren. Sie und meine Eltern – alle starben, als man unser Haus mit Raketen beschoss“, sagt das Mädchen.

Kinder haften nicht für ihre Eltern

Bevor sie ins Kinderheim kamen, war ihr gesundheitlicher Zustand deprimierend: Sie litten an psychischen Störungen und Hautkrankheiten. Einige Kinder hatten Frakturen an Armen und Beinen. Sie wurden von ihren Eltern verwahrlost und waren eine längere Zeit auf sich selbst gestellt.

Hier erhalten sie nun genug Fürsorge und Aufmerksamkeit. Ich will dabei unterstreichen, dass man mit ihnen genauso umgeht wie mit den irakischen Kindern, ohne einen Unterschied zu machen oder jemanden zu diskriminieren. Wenn der Vater im IS dient, ist sein Kind nicht schuld daran“, erzählt der Leiter der Kindheitsschutz-Abteilung im irakischen Ministerium für Arbeit und Soziales, Abir al-Dschaljabi, gegenüber RT.

Dem Beamten zufolge gebe es im Waisenheim ziemlich oft Besuch aus Russland. Die russischen Beamten würden dabei die Fürsorge loben, von der die Zöglinge umgeben seien. Denn alle Kinder seien umsorgt und gepflegt. 

Die Minderjährigen befinden sich auf Grund eines Gerichtsbeschlusses im Waisenheim. Damit sie in ihre Heimat zurückkehren können, müssen die jeweiligen Behörden zuerst ihre Staatsbürgerschaft belegen.  

Wenn es bewiesen ist, dass die Eltern dieser Kinder aus Tschetschenien kommen, dann wird man sie auf legalem Weg der russischen Seite überantworten, damit sie in der Obhut ihrer Verwandten leben können. Momentan sind wir dringend auf eine Kooperation mit den Ländern angewiesen, deren minderjährige Bürger zurzeit bei uns untergebracht sind. Das Verfahren zur Übergabe an die jeweiligen Behörden soll beschleunigt werden. An sich ist dieses Verfahren einfach. Unsererseits gibt keine Komplikationen“, sagt Abir al-Dschaljabi.  

Dem Beamten zufolge würden im Bagdader Kinderheim neben den Zöglingen aus Russland auch Kleine aus anderen Staaten wohnen. Unter ihnen gebe es irakische Kinder mit jesidischen Müttern, Chinesen und einen Franzosen. Die Herkunft einiger Kinder lasse sich bisher nicht feststellen.

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Die Übergabe der Kinder ist indes zu einem der wichtigsten Probleme geworden, mit denen die irakische Regierung nach der Befreiung von Mossul aus den Händen der Terrormiliz „Islamischer Staat“ konfrontiert ist.

Einige Kinder sind zusammen mit ausländischen Kämpfern gekommen. Andere wurden hier geboren“, bemerkt der irakische Minister für Arbeit und Soziales, Mohammed Shia al-Sudani.

Er betont, dass die irakische Regierung proaktiv bemüht sei, die geretteten Kinder an ihre Verwandten zu überantworten.      

Der Irak wird allen Staaten entgegenkommen, wenn es bewiesen sein wird, dass die jeweiligen Kinder ihre Bürger sind. Wir halten alle diplomatischen Kanäle über das Außenministerium offen. Der humanitäre Aspekt bleibt für unser Ministerium am wichtigsten. Alle Verfahren erfolgen auf Rechts- und Verwaltungsweg“, betont Mohammed Shia al-Sudani. 

Evakuierung nach Russland

Russlands Behörden bemühen sich bereits um die Heimkehr der minderjährigen Bürger, seitdem Mitte Juli Mossul aus den Händen des „Islamischen Staates“ befreit werden konnte. Momentan nehmen Vertreter des russischen Außenministeriums, der Teilrepublik Tschetschenien und des Föderationsrates an den Verhandlungen mit den Behörden vor Ort teil.  

Die Evakuierung der Minderjährigen aus dem Irak wird in zwei Etappen erfolgen. Zuerst wird man sie aus Mossul nach Jordanien bringen. Von dort sollen die Kinder zu ihren Verwandten in Russland ausgeflogen werden. Die Situation erschwert sich jedoch dadurch, dass die Kleinen keine Dokumente haben, die ihre russische Staatsbürgerschaft bestätigen könnten.

Die Kinder werden eine DNA-Probe abgeben, damit ihre Verwandtschaft zu den Leuten bestimmt werden kann, die behaupten, ihre Familienangehörigen zu sein. Wir tun das, damit niemand zu uns kommt und grundlos vorgibt, ein Verwandter des jeweiligen Kindes zu sein“, so der bekannte jordanische Politiker und Aktivist Samich Beno gegenüber RT.

Die russische Kinderschutzbehörde tut indes ihr Bestes, damit sich die Kinder nach ihrer Rückkehr aus den Konfliktgebieten wohlfühlen. Kinderombudsfrau Anna Kusnezowa verspricht eine enge Kooperation mit den jeweiligen Behörden im Irak. Bevor die Kinder wieder in die Obhut ihrer Verwandten kommen werden, werden sie in speziellen Rehabilitierungszentren alle notwendige ärztliche und psychologische Hilfe erhalten.   

Es ist wichtig, dass die Kleinen nach ihrer Ankunft in Russland sofort Fürsorge, Hilfe und Unterstützung bekommen. Sie sollen in Liebe aufgenommen werden. Es ist kaum vorstellbar, was sie alles erlebt und welche Gräuel sie gesehen haben“, sagt Anna Kusnezowa gegenüber RT.

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