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April 24, 2018

Frisches Blut für alte Fälle: Bund der Kriminalbeamten fordert „Cold Case“ Teams


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Panorama

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In den Thrillern von Jussi Adler-Olsen löst der Spezialermittler Carl Mørck einen „Cold Case“ nach dem anderen. In der Realität sollen sich Spezialteams bald ebenfalls um alte, ungelöste Fälle kümmern. Das fordert der Bund der deutschen Kriminalbeamten.

Anlass für die Forderung ist ein realer „Cold Case“. Nach fast 30 Jahren konnten offenbar zwei Doppelmorde und ein Mord in der Region Lüneburg in Niedersachsen aufgeklärt werden. Der Nachweis gelang den Ermittlern wohl durch neue DNA-Spuren. Jetzt wird ermittelt, ob der mutmaßliche Täter weitere Morde begangenen hat. Aus Sicht von Matthias Karsch, dem Vorsitzenden des Bundes deutscher Kriminalbeamter (BDK) in Niedersachsen, hätten diese Morde wesentlich eher aufgeklärt werden können. Er schiebt es darauf, dass die ermittelnden Beamten wegen der Fülle ihrer Aufgaben zu wenig Zeit bei den Ermittlungen hatten. Darum schlägt er spezielle „Cold Case“ Einheiten vor, die sich ausschließlich um alte Fälle kümmern sollen.

Laut Karsch gibt es allein in Niedersachen insgesamt etwa 250 ungeklärte Todesfälle und Langzeitvermisstenfälle. „Wir schlagen vor, diese ‚Cold Cases‘ mit größerem Personaleinsatz wieder anzugehen, weil das mit dem bestehenden Personal nicht möglich ist“, sagt der Gewerkschafter im Sputnik-Gespräch. „Die Angehörigen haben ein Recht zu erfahren, wer der Täter in einem Mordfall ist, damit sie mit der Sache abschließen können. Oder ihre Vermissten zu finden, um sie vernünftig zu begraben“, betont Karsch.

Zusammenstellung der Einheiten: Bitte keine Springer-Teams

Wie die „Cold Case“ Einheiten aussehen, wäre mit dem Innenministerium zu verhandeln. Karsch hat aber schon einen Vorschlag: „An den Teams müssten Kriminalbeamte aus den jeweiligen Mordermittlungskommissionen, aber auch erfahrene Kollegen aus den Vermissten-Inspektionen beteiligt sein. Dazu Forensiker und gegebenenfalls auch Profiler als Gutachter.“

Es sei wichtig, dass die Teammitglieder die jeweiligen Fälle und die Örtlichkeiten bereits kennen, betont Karsch. Von Springer-Einheiten hält er dagegen nicht viel: „Jetzt sporadisch irgendwelche Teams zusammenzustellen und in die Fläche zu schicken und zu sagen: Jetzt seht mal zu, was ihr da noch machen könnt, kann nicht der richtige Weg sein.“ Im besten Fall kommen die Einheiten aus einer Region und sind bereits eingespielt.

Wichtig sei, dass die „Cold Case“ Einheiten sich ausschließlich auf die Fälle konzentrierten können und nicht durch andere Aufgaben abgelenkt werden. Warum, erklärt Karsch an einem fiktiven Beispiel: „Stellen Sie sich vor, Sie haben in einer Region fünf Mordermittler. Bei einem Mord sitzen diese fünf alle auch in der Mordkommission. Jetzt passiert aber noch etwas – eine zweite Tat oder Vermisstenfälle. Dann müssen einige Ermittler sich um diese kümmern. So reduziert sich die Anzahl automatisch. Eine reale Chance, sich dann auch noch um Altfälle zu kümmern, haben Sie dann nicht.“ Ob der Vorschlag des Landesvorsitzenden der Kriminalbeamten Realität wird, entscheidet die Politik.

Matthias Witte

Das komplette Interview mit Matthias Karsch finden Sie hier:

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