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April 26, 2018

Seine Gedanken, seine Wirkung — Das Kind der Gesellschaft — Sott.net


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jordan peterson

Prof. Jordan B. Peterson ist für viele Menschen zum Held geworden

Jordan B. Peterson ist zum Phänomen geworden: Der kanadische Psychologie-Professor, der mit seiner Haltung gegen politische Korrektheit berühmt wurde, erreicht Millionen von Klicks auf YouTube. Seine Aussagen werden zu Internet-Memes verarbeitet, ein Fan hat inzwischen sogar Merchandising-Produkte kreiert. Vielleicht am wichtigsten: Peterson hat unzähligen Menschen wertvolle und konkret umsetzbare Lebenshilfe gegeben. Von Jugendlichen, die der traurigen Existenz zwischen Porno und Zynismus abschwören, über ideologische Weltverbesserer, die erkennen, wie destruktiv diese Gedanken in ihrem Leben und im Leben Anderer wirken, bis hin zu schwer Heroin-Abhängigen, die dank Peterson-Videos den Entzug schaffen: Glaubt man den zahlreichen Kommentaren auf YouTube und den Zuschriften an Peterson, grenzt seine Wirkung an ein Wunder.

Was macht den Mann so einzigartig und warum wird er von so vielen Menschen verehrt, während andere ihn als „rechts“ oder gar als „Hitler“ beschimpfen? Hier wollen wir einen kurzen Überblick über einige seiner Thesen und Ansichten geben. Wer tiefer einsteigen möchte, sollte sich auf seinem YouTube-Kanal umsehen – einige seiner Videos enthalten deutsche Untertitel, zum Beispiel seine „Nachricht an Millenials“:

Eine gute Einführung in sein Denken ist auch seine Neujahres-Nachricht – wir haben diese hier auf Sott.net im Volltext auf deutsch zur Verfügung gestellt.

Politische Korrektheit und Gender-Pronomen

Beginnen wir mit dem, was den Mann berühmt gemacht hat: Mit einem lauten Knall schlug Jordan Peterson Ende 2016 in der öffentlichen Sphäre auf, als er sich weigerte, die in Mode gekommenen Transgender-Pronomen wie „Xir“ und „Xe“ zu nutzen. Diese Weigerung bezog sich auf einen neuen Gesetzentwurf namens Bill C-16, der genau eine solche Pronomen-Verweigerung mehr oder weniger unter Strafe stellte. Peterson sah das als Einschränkung der Meinungsfreiheit. Problematisch sei vor allem, dass erstmals vom Gesetzgeber nicht nur vorgegeben wird, was man nicht sagen darf, sondern was man sagen muss. Eine Art Orwellsche Gedankenpolizei also – denn Sprache und Gedanken sind eng vernetzt, wie Peterson als Psychologe weiß. Und wenn wir gezwungen werden, bestimmte Wörter zu nutzen, bejahen wir gleichzeitig unbewusst die dahinterstehende Ideologie. Peterson kombinierte folgerichtig seine Kritik mit einer grundsätzlichen Kritik am Gender-Aktivismus, bei dem eine kleine Minderheit von Aktivisten radikale Eingriffe in die Gesellschaft vornehmen möchte, und zwar auf Grundlage einer „abscheulichen Ideologie“, so Peterson. Wer mehr über diese nihilistische und widersprüchliche Ideologie erfahren möchte, dem seien unsere Artikel Das Jahr des Gender Mainstreaming und Meinungsfreiheit, Orwell und der Genderpronomen-Wahnsinn empfohlen. Ein sehr gutes Buch zum Gender-Wahnsinn gerade auch in Deutschland ist Gender-Gaga von Birgit Kelle – auch das eine klare Empfehlung, besonders für diejenigen, die das ganze Thema noch als irrelevant abtun.

jordan peterson

© Desconocido
Jordan Peterson muss seinen Vortrag an der McMaster-Universität nach draußen verlegen, weil Protestler den Saal stürmen

Natürlich schlug Jordan Peterson daraufhin Widerstand entgegen: Er sei transphob, rechtsradikal und verletze bewusst die Menschenrechte von Trans-Personen, schleuderten ihm aufgebrachte Aktivisten entgegen. Auch seine Universität, die University of Toronto, schrieb ihm eine Art Abmahnung, weil er mit seiner Weigerung, erfundene Transgender-Pronomen zu benutzen, gegen geltendes Recht verstoße. Das bestätigte übrigens seine Kritik an der Gesetzeslage: Genau das war sein Punkt, dass durch solche Gesetze die freie Meinungsäußerung eingeschränkt wird. Seine Kritiker bezeichneten ihn zuvor als Angstmacher – niemand schränke irgendwen ein, es gehe ja nur um Menschenrechte und so weiter. Doch die Abmahnung der Universität zeigte, dass dies keineswegs so ist: Petersons abweichende Meinung war verboten.

Womit jedoch keiner gerechnet hat, am wenigsten er selbst, war der enorme Zuspruch von allen Seiten, der sich nach und nach entfaltete – darunter auch Unterstützung durch viele Mainstream-Medien: Die große Mehrheit der Menschen hat anscheinend endgültig genug von dem Korsett der politischen Korrektheit, das der Gesellschaft von einigen wenigen radikalen Gender-Theoretikerinnen und -Theoretikern aufgezwungen wird. Peterson hatte einen Nerv getroffen.

Sein zentraler Punkt war, dass die Vorschreibung von Sprache durch den Staat – also die gesetzliche Verpflichtung der Bürger, bestimmte Dinge zu sagen – ein Element totalitärer Herrschaft ist und dass er dies nicht mit seinem Gewissen vereinbaren kann. Lieber rechtzeitig mutig dagegen aufstehen, bevor es zu spät ist. Denn schreibt uns der Staat unsere Sprache vor, nimmt er uns die Fähigkeit, kritisch zu denken. Das sahen offenbar sehr, sehr viele Menschen ähnlich und waren froh, dass endlich jemand gegen den Wahnsinn der politischen Korrektheit aufsteht, die uns mit ihrer gänzlich unlogischen und autoritären Weltsicht in immer mehr Bereichen der Gesellschaft gängelt.

Was die Vertreter jener politischen Korrektheit, die vor Wut nur so schäumten, jedoch nicht vorhersahen, war, dass Jordan Peterson sich seit Jahrzehnten mit Totalitarismus, der Psychologie dahinter, Gut und Böse sowie quasi allen wichtigen Fragen der westlichen Zivilisation beschäftigte – in einer Tiefe, die ihresgleichen sucht. So konnte Peterson seine Position äußerst sachlich, schlüssig und rhetorisch brilliant vorbringen und gleichzeitig die postmoderne Gender-Ideologie als den philosophischen Unsinn enttarnen, der sie ist. Oder wie der berühmte Podcast-Host Joe Rogan es ausdrückte: „Die haben sich mit dem falschen Typ angelegt!“

Und wie! Denn wie viele, die Peterson wegen seines politischen Muts bewunderten, bald feststellten, hat der Mann noch mehr zu bieten – viel, viel mehr. Und allem Geschrei der politisch korrekten Fraktion zum Trotz ist Peterson ganz klar ein gemäßigter Intellektueller, der vor ein paar Jahren durchaus als „links“ durchgegangen wäre. Auch das schockierte viele Menschen: Hier ist ein intelligenter, feinfühliger Professor, der als Therapeut Menschen hilft und äußerst spannende Vorlesungen hält – und der soll jetzt ein Nazi sein? Kurzum, Tausende, vielleicht Millionen von Menschen wurden plötzlich darauf aufmerksam, wie schlimm die politische Korrektheit bereits unseren Geist verwüstet hat und zu was das noch führen wird, wenn wir uns nicht dagegen wehren.

Unterschiede in der Persönlichkeit zwischen Linken und Konservativen

Schauen wir uns ein Konzept an, das seit Peterson wohl vielen Menschen eine völlig neue Sicht auf die Welt ermöglicht hat: die Unterschiede in den Persönlichkeitsmerkmalen zwischen Linken und Konservativen, basierend auf dem Big Five-Modell. Diese Unterschiede sind von der Psychologie recht gut untersucht und zeichnen das folgende Bild: Im Durchschnitt sind Linke sehr viel offener neuen Ideen gegenüber und gleichzeitig mitfühlsamer als Konservative. Letztere dagegen sind sehr viel gewissenhafter und ordentlicher. Dabei handelt es sich um tiefe Merkmale der Persönlichkeitsstruktur. Sie bringt eine gänzlich andere Sicht auf die Welt mit ganz verschiedenen Prioriäten mit sich.

Jordan Peterson

Beide sind jedoch gerechtfertigt, und beide sind im Prinzip richtig: Linke (oder „Progressive“) sehen nur das Positive in Veränderungen, in Erneuerung und in der Abschaffung von alten Werten. Konservative hingegen sehen eher die Gefahr, die von solchen Eingriffen ausgeht und die Weisheit in der Tradition. Laut Peterson braucht die Gesellschaft beide dieser Pole und es muss einen ständigen Dialog zwischen beiden Kräften geben, so dass sie im Gleichgewicht bleiben und sich den aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen anpassen können. Wir müssen als Individuum wie auch als Gesellschaft auf einem schmalen Grat zwischen Ordnung und Chaos wandern, wie Peterson es ausdrückt. Wir brauchen unsere Tradition und unsere klassischen Werte, jedoch dürfen diese auch nicht allzu starr sein – es braucht einen gewissen Grad an Erneuerung, um den neuen Herausforderungen besser begegnen zu können. Im Dialog zwischen Bewahrern und Erneuerern entstehen schließlich sinnvolle Lösungen.

Peterson beobachtet jedoch, dass sich in den letzten Jahren das Gleichgewicht extrem in Richtung „Linke“ (oder auch Chaos) verschoben hat. Damit ist vor allem die absurde Identitätspolitik gemeint, die alles, was die westliche Zivilisation hervorgebracht hat, als „Patriarchat“ beschimpft und unter dem Banner von „Diversity“ (Vielfalt), „Inklusion“ und „Gleichheit“ komplett auflösen möchte. Am Ende steht eine nicht näher definierte Vision einer Gesellschaft, in der alle gleich sind – alle Rassen, Gender, Hauttypen und was auch immer als „benachteiligte Gruppe“ definiert wird, exakt gleich repräsentiert, gleich erfolgreich und gleich… gleich sind. Die Widersprüchlichkeit ist unverkennbar. Und das ist kein Wunder, denn was hier propagiert wird, ist nicht Chancengleichheit, sondern Ergebnisgleichheit. Das, freilich, geht nur, wenn man mit roher Gewalt alle natürlichen Unterschiede zwischen Menschen ausschaltet. Denn ansonsten kann nie eine Ergebnisgleichheit hergestellt werden – manche Menschen sind nun mal schlauer, fleißiger, körperlich fitter, schöner etc. als andere. Außerdem haben manche Menschen andere Vorlieben und Präferenzen. Haben die Menschen Chancengleichheit, drücken sich diese Unterschiede eben in unterschiedlichen Karrieren und Lebenswegen aus, bei dem manche weiter oben in der Hierarchie landen als andere. Ergebnisgleichheit ist also eine äußerst extreme Idee – und dennoch gilt heute fast schon als rechtsradikal, wer diese Idee anzweifelt.

Jedenfalls ist Petersons Sicht auf den Konflikt zwischen „links“ und „rechts“ sehr interessant gerade vor dem Hintergrund der Spaltung der Gesellschaft: Menschen mit bestimmten Persönlichkeitsmerkmalen „hassen“ die andere Seite, weil sie einfach sehr anders ist. Damit werden alle politischen Meinungen, die von der jeweils anderen Seite kommen, sofort und ohne Nachdenken als schwachsinnig angenommen. Von Peterson haben viele Menschen gelernt, dass es möglich ist, die andere Seite zu verstehen und mit ihr zu reden – auch und gerade über die „heißen Themen“ von den Unterschieden zwischen Mann und Frau sowie über ethische Tugenden und Einwanderungspolitik bis hin zu Abtreibung und Homoehe. Genau hier zeigen sich die unterschiedlichen Persönlichkeitsmerkmale und genau hier fällt es den jeweiligen Vertretern der beiden Lager unglaublich schwer, die Meinung der „Gegenseite“ wenn schon nicht zu teilen, dann doch wenigstens als Standpunkt zu sehen, den man ernst nehmen kann.

Aufgrund der Dominanz „progressiver“ Politik trifft das pauschale Verurteilen von Meinungen heute allerdings vor allem die Konservativen, wie Peterson feststellt. Und auch in Deutschland lässt sich das beobachten: Selbst die CSU traut sich ja nicht mehr, auch nur leise Kritik an den politisch korrekten, radikalen Gesellschafts-Veränderern zu üben. Was noch vor ein paar Jahren ganz normale konservative Positionen waren – etwa die Ablehnung der Homo-Ehe, die Förderung eines traditionellen Familien- und Rollenbilds, die Ablehnung übermäßiger Einwanderung, Kritik am Konzept der Erneuerbaren Energien etc. – gelten heute als unvertretbar und indiskutabel. Diese konservativen Positionen haben schlicht keine Stimme mehr in den großen Medien und in der Politik. Kein Wunder also, dass die AfD und andere neue konservative Parteien so regen Zulauf haben. Und kein Wunder, dass ein so gemäßigter Geist wie Prof. Peterson als „rechtsradikal“ beschimpft wird, nur weil er auf Forschungsergebnisse hinweist, die einige heilige Werte des progressiven Lagers in Frage stellen. Und das, obwohl seine politischen Positionen alles andere als „rechts“ sind. Eher könnte man ihn vielleicht als liberal bezeichnen – er setzt sich klar für die Stärkung des Individuums ein, da nur der einzelne Mensch durch bewusstes moralisches Handeln etwas bewegen könne.

Räum Dein Zimmer auf, bevor Du die Welt verändern willst

sjws and jordan peterson

Manchmal kann man sich nur an den Kopf fassen, wenn man mit blinder Ideologie konfrontiert wird…

Peterson ist nicht gegen soziale Gerechtigkeit oder die positive Veränderung der Welt. Jedoch hält er es eher mit Gandhi’s berühmtem Satz, „sei die Veränderung, die du sehen willst“. Das heißt, wer die Welt besser machen will, muss bei sich anfangen – im Kleinen. Zum Beispiel durch Zimmer aufräumen, weniger lügen und das eigene Leben in den Griff kriegen. Genau das, was weder aufregend noch heroisch ist, aber dennoch oder gerade deswegen tugendhaft.

Viele „Aktivisten“ verhalten sich allerdings ganz anders: sie möchten „das System“ ändern, damit „das System“ dann alle Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten beseitigt. Interessanterweise ist das – allem antiautoritären Gebaren zum Trotz – eine zutiefst autoritäre Einstellung. Und es ist so schön einfach: Man kann in einem chaotischen Zimmer hausen, sich selbst nicht im Griff haben und sich dabei trotzdem auf der moralisch richtigen Seite wähnen, ohne sich anzustrengen. Petersons Art der Weltveränderung ist viel, viel schwerer: Haltet Euer Zimmer sauber, hört auf Pornos zu schauen, tut was Sinnvolles in Eurem eigenen Umfeld, strengt Euch an, arbeitet hart, seid ein Vorbild. Nur so lässt sich etwas ändern. Und wenn Ihr wirklich gut seid, werdet Ihr vielleicht eine positive Kraft in Eurer Familie, später vielleicht in Eurer Gemeinschaft. Aber es ist halt einfacher, Forderungen zu stellen, in seinem eigenen, fehlerhaften Leben „beschützt“ zu werden (und sich nicht weiterzuentwickeln) als mit sich selbst hart ins Gericht zu gehen und das eigene Leben zu ändern. Wie sollte jemand, der nicht mal sein eigenes Zimmer im Griff hat, über die Kompetenz verfügen, die Welt zu verändern? Ein Zitat von Carl Jung kommt einem in den Sinn:

„Menschen werden alles tun, egal wie absurd es sein mag, um ihrer eigenen Seele nicht ins Angesicht sehen zu müssen“ – Carl Jung

In der Tat. Um die eigene, korrupte Seele nicht zu sehen – was eine Voraussetzung für die positive Veränderung des eigenen Lebens ist – greifen selbsternannte Aktivisten eben zu widersprüchlichen und absurden Theorien, die stets „dem System“ und „den Anderen“ die Schuld an allem geben. So kann man sich schön der eigenen Verantwortung entziehen. Durch ihren fehlgeleiteten Aktivismus machen diese Leute allerdings die Welt noch schlimmer. Oder um es wieder nach Carl Jung auszudrücken: Sie übergeben die Kontrolle ihrem unbewussten Schatten, der dann frei in der Welt wüten kann. Wie das aussieht, kann man dann auf YouTube bewundern: Wild gewordene, aggressive „Aktivisten“, die inkohärentes Zeug stammeln, lügen und völlig unfähig sind, einmal den Mund zu halten und zuzuhören. Peterson fragt zu Recht, ob das der Vision einer Utopie entspricht, in der wir leben wollen? In der andere Meinungen niedergeschrien werden mit plumpen Parolen? Das ist Carl Jungs Schatten in Aktion.

Kritik am „postmodernen Neo-Marxismus“

Explaining postmodernism

Stephen Hicks äußert in seinem Buch eine vernichtende Kritik an der „Postmoderne“

Petersons „Räum Dein Zimmer auf“-Motto hängt auch mit seiner Kritik an den Geisteswissenschaften zusammen. Wohlgemerkt hält er diese für außerordentlich wichtig, erkennt aber, dass sie heute zu einem großen Teil von schädlicher Ideologie geprägt sind. Dies ist die „postmoderne“ Denkrichtung, die eine unheilige Allianz mit dem Neo-Marxismus einging, um solche Blüten wie „Gender-Theorie“, Identitätspolitik und politische Korrektheit zu treiben.

Wichtig ist hier zu verstehen, dass es sich dabei nicht zwangsläufig um eine Verschwörung von Professoren handelt, obwohl solche Elemente auch eine Rolle spielen könnten. Peterson hält es mit dem berühmten Satz, der Carl Jung zugeschrieben wird: „Nicht Menschen haben Ideen, sondern Ideen haben Menschen.“ Er meint damit, dass Menschen bewusst und unbewusst von Ideen besessen sind und dadurch die Welt nur noch durch diese sehr beschränkte Brille sehen. Was ist diese Idee, von denen so viele Professoren, Studenten und zunehmend die ganze Gesellschaft besessen ist? Der Philosophieprofessor Stephen Hicks hat dies in seinem Buch Explaining Postmodernism (Postmodernismus erklärt) gut herausgearbeitet. Hier die Essenz dieser Ideologie:

  • Alles, was zwischen Menschen abläuft, beruht auf Machtverhältnissen zwischen Gruppen.
  • Es gibt keine objektive Wahrheit – alles ist subjektiv.
  • Es gibt keine objektive Moral, moralisches Handeln ist lediglich ein soziales Konstrukt und damit relativ (alles ist also erlaubt)
  • Der marxistische Klassenkampf zwischen Arbeitern und Bourgeoisie ist verloren (die Arbeiter wollten nicht und der Kommunismus hat sich als brutale Diktatur entpuppt).
  • Also müssen wir andere unterdrückte Gruppen finden – jede Minderheit ist ein guter Kandidat.
  • Da alles zwischen Menschen Machtkämpfe sind, müssen wir die Gruppen identifizieren, die am meisten Macht haben (etwa weiße Hetero-Männer) und die, die unterdrückt werden (Frauen, Ausländer, LGBT usw.). Letztere müssen wir im Machtkampf gegen die „Unterdrücker“ unterstützen.

Wer hier Widersprüche erkennt, hat natürlich Recht: Das Ganze ist komplett unlogisch – wenn es beispielsweise kein „richtig“ und „falsch“ gibt (moralischer Relativismus), warum sollte man denn für „unterdrückte Minderheiten“ kämpfen? Peterson und Hicks sehen das so: Die Postmodernisten und ihre Anhänger, die eigentlich Relativismus und Nihilismus predigen, haben gemerkt, dass ihr Leben dadurch völlig sinnlos wird – es gibt nichts, was man tun soll, nichts, wofür man kämpfen kann. Also haben sie den marxistischen Klassenkampf zweckentfremdet und auf den Kampf zwischen „Identitäten“ übertragen. Es geht also immer nur um Gruppen, niemals um Individuen.

Wohlgemerkt: Trotz allen Geredes vom „Schutz von Minderheiten“ und der moralisierenden Sprache herrscht hier ein zutiefst pessimistisches Menschenbild vor. Gruppen von Menschen wollen nur Macht über andere Gruppen. Das war’s. Entsprechend handeln die postmodernen „Aktivisten“ auch danach und möchten allen anderen Menschen ihre Meinung aufzwingen – wenn nötig mit Gewalt. An dieser Stelle sei nochmals die Lektüre von Politische Ponerologie empfohlen, wo genau beschrieben wird, wie moralische Sprache von pathologischen Individuen zweckentfremdet und zur Ausübung von Macht missbraucht werden kann. Genau das sehen wir hier, nur dass es diesmal vordergründig nicht um den „Schutz der arischen Rasse“ (Nazismus) oder den „Sieg über die ausbeuterische Bourgeoisie“ (Kommunismus) geht, sondern um den „Schutz von Minderheiten und Menschenrechten“. Wir sollten uns von den für unsere heutigen Ohren wohlklingenden Worten nicht ablenken lassen: Dahinter steht oftmals ein rücksichtsloser Wille zur Ausübung von Macht, zur diktatorischen Erschaffung einer Utopie auf Grundlage des eigenen pathologischen Weltbilds.

Peterson wird nicht müde, die vielen Widersprüche aufzuzeigen und auch die große Gefahr, die von dieser Ideologie ausgeht. Denn für sie ist alles nur Ausdruck des bösen Patriarchats. Kein Mensch, der eine höhere Position innehat, hat diese verdient – er hat sie nur durch Unterdrückung erreicht. Dass manche Menschen einfach besser, fleißiger und leistungsfähiger sind als andere und deshalb auch verdientermaßen eine gewisse Autorität haben, kommt diesen Ideologen nicht in den Sinn. Und ihr Nihilismus („es gibt keine Moral, ist alles egal“) führt dazu, dass sie sich ihren Stimmungen und Launen ergeben, statt aufrichtig zu handeln – mit entsprechenden Konsequenzen. Denn so kommt niemand im Leben voran und verdient sich erst recht keinen Respekt. Deshalb müssen die Aktivisten auf die Tränendrüse drücken und es müssen immer stärkere Forderungen gestellt werden, um die Gesellschaft zu zwingen, ihnen Respekt zu zollen. Doch Respekt kann nicht erzwungen werden, er will verdient sein. Und genau hier kommt das Individuum ins Spiel, das Peterson als fundamentale positive Kraft in der Welt sieht – wenn das Individuum den Helden-Archetypen lebt, verdient es sich Respekt und verändert die Welt zum Positiven. Wer dagegen von einer menschenfeindlichen Ideologie besessen ist, die nur in Gruppen und „der Gesellschaft“ denkt, tut genau das Gegenteil und kann solche Feinheiten nicht wahrnehmen.

Religiosität muss nicht irrational sein

Religion Church

© Andrew Dong on Unsplash
Jordan Peterson bringt viele junge Menschen dazu, Religion mit völlig neuen Augen zu sehen

Vielleicht einer der spannendsten Aspekte des Jordan Peterson-Phänomens ist seine Religiösität. In seinen Vorträgen, etwa zur Bibel, schafft es der originelle Professor tatsächlich, selbst Atheisten zu begeistern. Denn er geht von der offensichtlichen Tatsache aus, dass die Bibel und das Christentum nichts mit Wissenschaft im heutigen Sinne zu tun haben – Wissenschaft gab es damals schlicht noch nicht. Deshalb sei es sinnlos, die wissenschaftlichen Methoden der Neuzeit als Kriterium heranzuziehen, um religiöse Mythologie zu entschlüsseln. Sein Ansatz ist vielmehr, die Bibel und andere Mythen aus psychologischer Sicht ernst zu nehmen, wobei er sich sowohl auf die empirische als auch die psychoanalytische Tradition der Psychologie bezieht.

In der Auseinandersetzung zwischen „Neuen Atheisten“ à la Richard Dawkins und Sam Harris und der Religion bringt Jordan Peterson einen wichtigen Aspekt ins Spiel: Empirische Fakten können niemals zu moralischem Verhalten führen. Sie sagen einem vielleicht, was ist, aber nicht, was wir tun sollen. Allein schon deshalb, weil es ein riesiges Meer an Fakten gibt und wir diejenigen – oft unbewusst – auswählen müssen, die wir überhaupt wahrnehmen. Oder in den Worten von Peterson (paraphrasiert): „Wenn ich vor einem Feld stehe, kann ich zwar die Struktur des Feldes beschreiben, aber deshalb weiß ich noch lange nicht, welchen Weg ich durch das Feld nehmen sollte.“ Sinnhaftigkeit, Ziele und Tugenden liegen also außerhalb der unmittelbaren empirischen Welt. Oder um bei der Feld-Analogie zu bleiben: Erst das Ziel, das jenseits des Feldes liegt, kann mir sagen, welchen Weg ich durch das Feld nehmen soll. Das Feld selbst enthält kein Ziel.

Damit verwandt ist ein weiterer Kritikpunkt an den „Neuen Atheisten“, nämlich Petersons Skepsis, dass Menschen allein aus rationalen Gründen moralisch handeln. Denn schließlich sei auch der psychopathische Ansatz, brutal und auf Kosten Anderer das eigene Interesse zu verfolgen, rational – zumindest aus Sicht des Individuums. Peterson ist der Ansicht, dass Harris, Dawkins & Co lediglich die auf Religion und Mythen basierende Moral so sehr verinnerlicht haben, dass sie diese als selbstverständlich bzw. „rational“ voraussetzen. Aber wenn wir diese Mythen und die Religion aufgeben, dann geben wir schließlich auch unsere Moral auf. Wir vergessen dann, warum es sich lohnt, nach höheren Prinzipien zu leben und welches diese Prinzipien sind. Übrigens müssen solche archetypischen und religiösen Prinzipien nicht zwangsläufig auf einen „höheren Gott“ hinweisen – Peterson ist stets bemüht, wissenschaftlich zu argumentieren. So lassen sich Mythen, Religion und Archetypen möglicherweise evolutionstheoretisch erklären: Es handelt sich hier um „a priori“-Wissen (in der Terminologie von Kant), das von der Evolution tief in uns Menschen verankert wurde. Wir können nicht anders, als die Welt unter bestimmten moralischen und funktionalen Gesichtspunkten wahrzunehmen. So sind Mythen und Religion in gewisser Weise Wegweiser aus den Untiefen der Menschheitsgeschichte, die uns sagen, wie wir uns richtig verhalten können. Unsere Vernunft kann diese Wegweiser nicht ersetzen – vielmehr tritt sie in eine Wechselbeziehung mit diesem „a priori“-Wissen und kann so grundlegende Mythen und Motive im Hinblick auf aktuelle Gegebenheiten immer neu interpretieren und anwenden. Und genau das tut Jordan Peterson mit der christlich-abendländischen Tradition. Bei all seiner Wissenschaftlichkeit schließt Peterson übrigens die Existenz einer höheren Sphäre oder eines höheren Wesens keineswegs aus: Wir wissen einfach zu wenig, um eine solche Aussage treffen zu können. Er drückt es in etwa so aus: Selbst wenn unsere Welt nur aus Materie besteht und das alles ist, was es gibt, dann wird sich in Zukunft sicherlich unser Verständnis von Materie so grundlegend verändern, dass es nichts mehr mit dem dogmatischen Materialismus von heute zu tun hat.

Tradition und Verantwortung sind die neue Gegenbewegung

Eine für manch progressive Ohren geradezu revolutionär wirkende Erkenntnis ist es, dass nicht alles, was war, schlecht ist. Das ist eigentlich sofort offensichtlich und wurde bis vor kurzem kaum bezweifelt, aber die verquere Ideologie, die heute von den Universitäten bis tief in die Medien hinein die Menschen im Griff hat, kennt nur Abscheu für die Vergangenheit. Draußen werden historische Statuen abgerissen, weil die dargestellten historischen Figuren irgendwie „unterdrückerisch“ waren, während manche Ideologen klassische Literatur zensieren wollen, weil sie nicht politisch korrekt genug ist. Was früher im politischen Spektrum eher als Mitte oder sogar links galt, wird heute als „rechts“ verschrien. Darunter etwa die Erkenntnis, dass die religiöse Tradition uns heute noch viel geben kann oder dass bestimmte Werte wie Tugend, Aufrichtigkeit, die Übernahme von Verantwortung, eigene Anstrengung und der Wert der Familie nicht umsonst seit ewigen Zeiten Grundwerte der Gesellschaft sind. Doch die allgemeine Meinung der postmodernen Gender-Ideologen geht dahin, dass dies alles nur ein Produkt des bösen Patriarchats ist, das ausradiert werden muss.

Kurzum, Jordan Peterson bringt grundlegende Werte, die noch vor ein paar Jahren gesellschaftlicher Konsens waren, wieder in unsere westliche Zivilisation zurück. Und viele Menschen dürsten förmlich danach – besonders junge Menschen, die in den letzten Jahren sozialisiert wurden und in den völligen Nihilismus und die verqueren radikal-progressiven Ideologien hineingewachsen sind. Dass man auch Verantwortung übernehmen kann für sich selbst und Andere um einen herum, dass es etwas gibt, für das es sich lohnt, die eigenen Unzulänglichkeiten, Süchte und schädlichen Verhaltensweisen zu überwinden, so etwas hat ihnen anscheinend noch nie jemand gesagt. Vielmehr wurde ihnen eingetrichtert, dass sie ein Recht auf Respekt haben, ein Recht, nicht herausgefordert zu werden, ein Recht darauf, „so zu sein wie sie sind“, auch wenn das heißt, computersüchtig und ohne Ziel durchs Leben zu stolpern. Jordan Peterson weist einen anderen Weg: die Akzeptanz des Leidens als unausweichliches Element im Leben und die Möglichkeit, etwas daraus zu machen, indem man jeden Tag etwas besser macht, das eigene Leben so tugendhaft wie möglich lebt und so dem Leben etwas zurück gibt. Es ist ein Weg, der letztlich zu Glück und Erfüllung führt. Dafür, dass Peterson diese alten und wichtigen Ideen für unsere heutige Zeit wiederbelebt, ist ihm unsere Gesellschaft zu großem Dank verpflichtet. Zum Schluss noch ein Zitat aus Petersons Neujahres-Video – als Motivation, gleich jetzt etwas im Kleinen zu ändern:

Wir müssen aufwachen – als individueller Mann und Frau gleichermaßen – und wir müssen es jetzt tun. Jeder von uns muss die Welt auf seine Schultern nehmen, sofern uns das möglich ist, und individuell Verantwortung für die Schrecken und das Leid übernehmen, das die Existenz in dieser Welt mit sich bringt. Darin werden wir den Sinn finden, ohne den Leben nur das Leid ist, welches zuerst Feindseligkeit ausbrütet und dann den Wunsch nach Rache und Zerstörung. Wir müssen Verantwortung übernehmen anstatt unaufhörlich auf unseren Rechten zu beharren. Wir müssen Erwachsene werden anstatt gealterte Kinder. Wir müssen die Wahrheit sagen. Wir brauchen Gerechtigkeit und Mitgefühl im Verbund; nicht Urteil und Mitleid, die erdrücken und verschlingen.

Versuchen Sie also im kommenden Jahr ein besserer Mensch zu werden. Beheben Sie was Sie beheben können und würden. Beginnen Sie jetzt. Da liegt etwas genau vor Ihrer Nase, das nach einer Instandsetzung verlangt, das Ihr Gewissen anruft – wenn Sie ihm nur Aufmerksamkeit schenken mögen, für Ihre korrigierenden Bemühungen, wie einfach sie am Anfang noch sein mögen. Fangen Sie klein an. Wenn Sie den Prozess meistern, können Sie sicher und kompetent Ihre Reichweite erweitern. Sie werden dann in der Lage sein, größere Dinge zu reparieren, anstatt sie in der Arroganz Ihrer Unwissenheit zu verschlimmern. Falls Sie das tun, wird es weniger sinnloses und unnötiges Leid geben, und die Welt wird trotz all ihrer Mängel und Fehler ein besserer Ort werden.

~ Jordan B. Peterson

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