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Mai 24, 2018

Empörung in Hamburg: Gestapo-Folterkeller werden zu Luxus-Shoppingcenter


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Gesellschaft

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In Hamburg hat eine Initiative der Stadtverwaltung für Empörung unter den Nachfahren von Überlebenden der berüchtigten Gestapo-Folterkeller in der Innenstadt gesorgt. Die Stadtverwaltung will nämlich in den ehemaligen Gestapo-Folterzentren Luxus-Shoppingcenter errichten.

Die Angehörigen und Nachfahren einiger der Tausenden von den Nazis im Hamburger Gestapo-Hauptquartier gefolterten und ermordeten Menschen werfen der Stadtverwaltung vor, nicht würdig mit dem Andenken an dieses dunkle Kapitel der Stadt umzugehen.

Die Stadt will nämlich, dass in dem ehemaligen Gestapo-Hauptquartier ein Luxus-Shoppingcenter aufmacht – Konsum und Gedenken sollen eben gleichzeitig am selben Ort stattfinden.

Für Angehörige, Aktivisten und oppositionelle Politiker geht das zu weit.

 

Proteste nehmen zu

Mehrere Protestaktionen hat es bereits gegeben. Einige Angehörige der Gefolterten haben dabei Portraits von ihren an diesem Ort ermordeten Vorfahren mitgebracht.

„Niemand, der zum Verhör hierher gebracht wurde, kam unverletzt heraus“, sagte hierzu etwa Detlef Baade, dessen Vater 1933 hier von der Hamburger Gestapo gefoltert wurde.

Die Emotionen der Protestierenden haben eine breite Resonanzwelle freigesetzt. Der Gedanke, dass in dem Gebäude, in dessen Kellern während der 1930er Jahre Widerstandskämpfer gegen das NS-Regime zu Tode gefoltert wurden, nun Luxusboutiquen reiche Kunden anlocken sollen, erfreut längst nicht alle.

​Verschiedene oppositionelle Politiker und öffentliche Organisationen haben sich mittlerweile eingeschaltet.

So hat der Linken-Bürgerschaftsabgeordnete Norbert Hackbusch der Stadt vorgeworfen, kein erinnerungshistorisch professionelles Konzept für dieses Gebäude entwickelt zu haben.

„Immerhin geht es um den zentralen Ort der Stadt, an dem gefoltert wurde“, sagte Hackbusch.

Cornelia Kerth von der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes weist in diesem Zusammenhang auch auf das unwürdige Verhältnis zwischen Konsum und geschichtlichem Andenken hin.

​„Es kann überhaupt nicht sein, dass Gedenken eingebettet ist in Konsum. Gedenken muss Konsum brechen“, betonte Kerth.

Kaffee zu trinken und teure Einkäufe dort zu machen, wo die Verfolgung und Folter von politischen Gegnern und Minderheiten organisiert und durchgeführt worden sei, sei definitiv keine würdige Form von historischer Aufarbeitung, so die Aktivistin.

Unterschiedliche Auslegungen von „würdigem“ Andenken

Der neue Betreiber des Gebäudekomplexes versucht sich unterdessen zu wehren: Man werde auf einer Hauptfläche im westlichen Eingangsbereich eine Ausstellungsfläche von etwa 70 Quadratmetern einrichten, die sich genau diesem Kapitel der Geschichte des Gebäudes widmen soll.

Damit werde man sowohl den Ort entsprechend würdigen als auch den Bewohnern der Stadt ein imposantes Shoppingcenter in der Innenstadt geben.

Im Moment erinnert eine Gedenktafel an die Opfer der Gestapo-Folterkeller:

Gedenktafel für die Gestapoopfer im Eingang des Stadthauses Hamburg

Der Linken-Abgeordnete Hackbusch hält von dieser Argumentation allerdings nicht viel.

„Offenbar sind sich die Behörden jetzt aber nicht so recht einig darüber, was unter ‚würdig‘ zu verstehen ist: Eine professionelle Ausstellung mit einem echten Kurator oder eine nebenbei mitbetriebene Gedenkstätte“, betonte der Stadtpolitiker.

Die erste Variante koste eben Geld, die letztere nicht.

Die Stadt Hamburg hat im Jahr 2009 den ganzen Gebäudekomplex an den Investor Quantum verkauft. In dem Vertrag wurde festgeschrieben, dass genügend Platz für ein würdiges Gedenken an die Opfer der Nazis vom Investor geschaffen werden müsste.

Anscheinend wurde diese Formulierung allerdings von den Vertragsparteien ganz unterschiedlich ausgelegt.

In den betroffenen Gebäuden der Hamburger Innenstadt waren während der NS-Zeit von 1933 bis zum massiven Bombardement im Jahr 1943 das Polizeipräsidium, die Leitung der Kripo und das Hauptquartier der Gestapo untergebracht.

/NG/GS

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