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Mai 26, 2018

Der nächste Milliardär kauft sich seine Zeitung — RT Deutsch


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Die Zeitung „Los Angeles Times“ wird laut Medienberichten an den US-Milliardär Patrick Soon-Shiong verkauft. Damit setzt sich ein von den Superreichen Carlos Slim, Jeff Bezos und Warren Buffett gesetzter Trend fort, sich eigene politische Sprachrohre zu kaufen.

Die einflussreiche Traditionszeitung Los Angeles Times im US-Bundesstaat Kalifornien wird von dem US-Unternehmer Patrick Soon-Shiong gekauft, wie die Washington Postmeldet. Gleichzeitig wird Soon-Shiong den Angaben zufolge auch die Zeitung San Diego Union Tribune übernehmen. Er ist nicht der erste Milliardär, der sich „seine“ Medien kauft. So haben in den letzten Jahren unter anderem die Investoren Carlos Slim, Jeff Bezos, John Henry, Chris Hughes und Warren Buffett viel Geld in defizitäre US-Presseunternehmen gesteckt. Da ein direkter Profit aus diesen Investitionen nicht zu erwarten ist, stellt sich die Frage nach der Motivation der Milliardäre. Mutmaßlich soll Deutungshoheit und politischer Einfluss gekauft werden.

Eindeutig ist das der Fall bei der Washington Post, die seit dem Kauf durch Amazon-Gründer Jeff Bezos im Jahr 2013 einen großen Teil ihrer einst berühmten Distanz und Seriosität abgelegt hat und mittlerweile von vielen Menschen als regelrechtes Kampfblatt einer bestimmten Machtgruppe in den USA wahrgenommen wird. So ist die Hauptstadtzeitung etwa eine der treibenden Kräfte hinter den bisher sehr unbefriedigend belegten Vorwürfen im Zusammenhang mit der „Russia-Gate“ genannten Kampagne gegen angebliche russische Einflussnahme in den USA.

Die Los Angeles Times hat bewegte Zeiten hinter sich. Seit dem Kauf durch die Tribune Company im Jahr 2000 wurde die Zeitung einem zerstörerischen Sparkurs unterzogen: Die Zahl der Mitarbeiter wurde laut New York Times von 1.200 in den 90er-Jahren auf aktuell etwa 500 zusammengestrichen. In den letzten Monaten gab es noch einmal verstärkt Konflikte, weil mehr externes Personal den Redaktionen zuarbeiten sollte.

Ob Patrick Soon-Shiong als Zeitungs-Eigentümer ein ähnlich ausgeprägtes politisches Sendungsbewusstsein wie Bezos in der Washington Post entwickeln wird, bleibt abzuwarten. Der Verkauf der Los Angeles Times wirft aber ein Licht auf die Tendenz, dass extrem wohlhabende Einzelpersonen versuchen, ihren Reichtum in gesellschaftlichen Einfluss und Meinungsmache zu investieren. Die offiziellen Begründungen klingen dabei meist so blumig wie die von Ex-Hedgefonds-Manager John Henry, der den Kauf des Boston Globe mit der selbstlosen Rettung einer Tradition begründet: „Der Boston Globe ist eine Institution, für die es sich lohnt, zu kämpfen.“ Milliardäre als „Kämpfer“ für die Traditionsmedien und somit für die Pressefreiheit? Das klingt dann aber doch zu schön, um wahr zu sein.

Denn sie haben gutes Geld investiert, für das sie mutmaßlich etwas zurückhaben wollen: Carlos Slim, seit dem Jahr 2009 Hauptaktionär bei der New York Times, reduziert zwar gerade sein Aktienpaket, hat aber bereits etliche Millionen Dollar in die Zeitung gesteckt. Warren Buffet zielt im Gegensatz zu Henry, Slim, Bezos oder Soon-Shiong nicht auf Edel-Printprodukte, sondern auf kleine Medien, die in Not geraten sind: Über 30 Zeitungstitel hat seine Firma „Berkshire Hathaway“ laut Handelsblatteingekauft, da kommt irgendwann ein großer Betrag zusammen. Jeff Bezos hat im Jahr 2013 laut Spiegel sogar 250 Millionen Dollar für die Washington Post bezahlt und pocht von den hier Erwähnten wohl am radikalsten auf sein „Recht“, sich als reicher Mensch auch politisches Gehör zu verschaffen.

Manchmal reicht aber auch alles Geld der Welt nicht, um ein Medium inhaltlich umzudrehen, wie IT-Milliardär Chris Hughes nach dem Kauf des Magazins The New Republic erleben musste: Als er als neuer Eigentümer Ausrichtung und Format des liberalen Traditionsblatts radikal ändern wollte, flohen die Mitarbeiter massenweise und kündigten aus Protest. Inzwischen hat Hughes das Medium wieder abgestoßen.

Vielbeachtete Sendung von der

Es gab auch Zeiten, da haben die US-Bürger es nicht einfach geschluckt, wenn sich Milliardäre publizistischen Einfluss kaufen wollten. Als die schwerreichen Industriellen und Tea-Party-Mitbegründer Charles und David Koch im Jahr 2013 acht Zeitungen kaufen wollten, darunter die jetzt verkaufte Los Angeles Times, kam es zu so starken Protesten, dass die Koch-Brüder die Pläne aufgaben. Ihren politischen Einfluss versuchen sie nun anders durchzusetzen: Mit rund 900 Millionen Dollar haben sie im vergangenen Präsidentschaftswahlkampf laut Medienberichten mehr Geld gespendet als jemals Individuen zuvor. Und im letzten Herbst bezahlten sie mit 650 Millionen Dollar die Übernahme des New Yorker Traditionshauses Time Inc. durch die Verlagsgruppe Meredith.

Das Phänomen, dass sich Einzelpersonen ihr „eigenes“ Medium kaufen, ist bedenklich und sollte durch Regulierung eingedämmt werden. Noch gefährlicher als diese Individual-Verleger sind jedoch jene Medien-Konglomerate, die durch ihre massive Reichweite zu politischen Akteuren werden, an denen vorbei kaum noch Politik gemacht werden kann. Eines der bekanntesten Beispiele eines solchen globalen Medienkonzerns ist die von Rupert Murdoch gegründete News Corp, zu der neben dem US-Sender Fox News unter anderem zahlreiche britische Medien gehören.

Zwar wurde die Verschmelzung der Medien-Giganten AT&T und Time Warner Ende letzten Jahres von der US-Regierung gestoppt, aber aktuell bahnt sich laut „Handelsblatt“ in den USA eine Mega-Fusion zwischen den Produzenten CBS und Viacom an, die den Murdoch-Konzern fast schon mickrig erscheinen lassen würde: CBS (einer der größten US-Sender) und Viacom, dem unter anderem das Hollywood-Studio Paramount und der Musiksender MTV gehört, würden zusammen auf einen Marktwert von über 37 Milliarden Dollar kommen. Damit wäre dieser Firma ein Platz in den Top Ten der weltgrößten Medienunternehmen sicher. Dort tummeln sich übrigens auch Deutsche: Bertelsmann ist laut zahlreichen Rankings neben Sony der einzige nicht-US-amerikanische Medienkonzern von globaler Bedeutung.

Mehr zum Thema – Mediale Kampfrhetorik: „The Economist“ stellt von Soft-Power auf Endgame um

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