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Juli 21, 2018

„Jetzt hilft nur noch private Vorsorge.“ | NachDenkSeiten – Die kritische Website



Denkfehler 7: „Jetzt hilft nur noch private Vorsorge.“


Veröffentlicht in: Das kritische Tagebuch, Leserbriefe

Der gestrige Artikel „Das internationale Große Geld beherrscht uns und die Europäische Union. Ihre Bosse entscheiden z.B. darüber, wie wir unsere Altersvorsorge organisieren. Demokratie gleich null.“ löste einige Leserbriefreaktionen aus. Zusammenstellung siehe unten. Im ersten Leserbrief wird auf einen Artikel in der Süddeutschen Zeitung von gestern hingewiesen. Die SZ-Journalistin Boehringer schreibt dort: „Seit mehr als zwei Jahrzehnten ist bekannt, dass das staatliche Rentensystem in Richtung Grundversorgung schrumpft.“ Sie wirbt dafür, sich mit dem Anlegen von Geld zu beschäftigen, auch für die private Altersvorsorge, denn „die Renten werden weiter sinken“. Wenn man das liest, dann kann man eigentlich nur noch verzweifeln. Diesen Denkfehler 7: “Jetzt hilft nur noch private Vorsorge.” Artikel hatten die NachDenkSeiten am 4. Januar 2005 veröffentlicht. Der Text stammt aus meinem Buch „Die Reformlüge“, das im August 2004 erschien und in dem ich 40 Denkfehler, Mythen und Legenden abhandle. Das ist jetzt 14 Jahre her. Bei der Lektüre der Süddeutschen Zeitung und auch bei der Lektüre anderer Mails zum gestern veröffentlichten Artikel muss ich den Eindruck gewinnen, dass Aufklärung eigentlich nicht möglich ist. Albrecht Müller.

Dass auch bei demographischem Wandel der Generationenvertrag und die gesetzliche Rente tragen, dass die Leistungsfähigkeit der gesetzlichen Rente bewusst und massiv vermindert worden ist, um der Versicherungswirtschaft und den Banken neue Geschäftsfelder zu eröffnen, welche Lobby dahinter steckte – das haben wir und das haben auch andere Autoren und Wissenschaftler immer wieder erläutert, belegt, mit Zahlen unterfüttert. Es hilft offensichtlich wenig

Dennoch, man darf ja nicht aufgeben, ich empfehle noch einmal die Lektüre jenes Artikels vom 4. Januar 2005. Auf 14 Buchseiten hatte ich, wie ich meine verständlich, erläutert, dass die gesetzliche Rente und der Generationenvertrag auch in Zeiten demographischen Wandel trägt, wie übrigens auch schon im letzten Jahrhundert. Und die NachDenkSeiten haben unentwegt darauf hingewiesen und belegt, dass die Privatvorsorge teuer und weniger effizient ist als das Umlageverfahren und die Gesetzliche Rente.

Der erwähnte Leserbriefschreiber, es ist Jürgen Voß aus Oberhausen, hat in seinem Leserbrief an die Süddeutsche Zeitung die Zusammenhänge erläutert und auch darauf aufmerksam gemacht, dass die erwähnte Wirtschaftsredakteurin der SZ,, Frau Boehringer, seit Jahren für die private Vorsorge Werbung betreibt. Dies übrigens gehört auch zum Kapitel sogenannter Qualitätsmedien. Sie haben uns über Jahre im Interesse von Interessengruppen „unterrichtet“.

Hier nun die Leserbriefe, danke an alle, die uns geschrieben haben:

1. Leserbrief

Liebe Leute von den Nachdenkseiten,

in welchen grotesken Bahnen die Propaganda für die private Altersvorsorge inzwischen verläuft, zeigt ein Artikel in der SZ vom 5. Juli von Simone Boehringer im Wirtschaftsteil mit dem Titel ”Es lohnt sich”. Die Lektüre ist anempfohlen. Das ist wirklich das lächerlichste und blödeste, was mir in den letzten 20 Jahren zum Thema Privatvorsorge geboten worden ist.

Einen Leserbrief dazu habe ich gleich an die SZ geschrieben, er wird sicherlich nicht den Weg nach draußen finden.

Ich füge ihn … bei:

„Dass sich die Wirtschaftsredakteure der SZ  seit vielen Jahren als Propagandisten der privaten Altersvorsorge verstehen und keine Gelegenheit auslassen, die gesetzliche Rente als nicht mehr finanzierbar hinzustellen, muss der kritische Leser leider wehrlos hinnehmen. Nachdem ausgerechnet die Finanzbranche selbst dafür gesorgt hat, dass diese in den neunziger Jahren und nuller Jahren insbesondere von der Sozialdemokratie  heiß gelobte Privatvorsorge krachend gescheitert ist und teilweise nur dank gesetzgeberischer Tricks überlebt hat, hätte an sich wenigstens etwas Nachdenklichkeit auf Seiten der lautesten Rufer erzeugen müssen. Doch das Gegenteil scheint der Fall zu sein. Nach der Methode “Und täglich grüßt das Murmeltier” wird nach wie vor das Hohelied der privaten Altersvorsorge lauter denn je gesungen.  Man möchte schon gar nicht mehr hinhören. Was sich jedoch Simone Boehringer in ihrer Kolumne “Es lohnt sich” wagt hinzuschreiben, übertrifft an Lächerlichkeit, Banalität und kabarettreifer Kuriosität alles, was bisher in Sachen Propaganda für die private Vorsorge zu lesen war. “Eine Aktie der Lieblingsmarke zum Geburtstag der Enkelin? Ein Tischgespräch übers Sparen und Verschulden in der Fußballpause….Wer in Kleinen anfängt, verzockt sich später zumindest nicht unbedarft im Großen”. Frau Boehringer, geht’s noch? Dass genau dies professionelle  Finanzexperten bis 2008 getan und damit die Welt an den Abgrund gewirtschaftet haben, scheint sehr schnell vergessen worden zu sein, insbesondere von den Wirtschaftsredakteuren der SZ.

Mit freundlichen Grüßen
Jürgen Voß

2. Leserbrief

Lieber Herr Müller,

dies ist mein erster Leserbrief.

Zuerst danke ich Ihnen und Ihrem Team ganz herzlich für die wertvolle Arbeit, die Sie leisten.

Ich schätze die NachDenkSeiten sehr.

Da Sie viel über Sprache und deren Wirkung auf uns Menschen schreiben, erlaube ich mir, eine Anmerkung zum obigen Beitrag zu machen:

Sie schreiben: das internationale Große Geld beherrscht uns sehr viel eindrücklicher für mich ist: wir lassen uns vom internationalen Großen Geld beherrschen m.E. sind wir keine Opfer, wir hätten die Möglichkeit, uns zu wehren – wir lassen uns zum Opfer machen.

Der gemeinsame Konsens ist: Wir sind die 99 %.

Unsere Verschiedenheit als Menschen sehe ich als Bereicherung, nicht als Spaltpilz, wie er vom „Großen internationalen Geld“, wie Sie es nennen, erfolgreich genutzt wird.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen und Ihrem Team einen schönen Sommer.

Mit herzlichen Grüßen, Ihre dankbare Leserin
Renate Mehl

3. Leserbrief

Lieber Herr Müller,

Zu “Rentenfresser”: Es ist generell nicht leicht, auch ernstlich Betroffenen klar zu machen, dass die Privatisierung der Renten zu ihrem Schaden ist. Da gibt seit Ende Juni ein, glaube ich, recht gutes und überzeugendes neues Argument: das Urteil des Tübinger Landgerichts, dass die Versicherungen bei der Riester-Rente Negativzinsen erheben dürfen. Negativzinsen hat niemand gern.

Der Hinweis auf mögliche spätere negative Zinsen hat des Zeugs, doch eine Reihe von möglichen Kandidaten von privater Rentenvorsorge abzuhalten. Man sollte daher immer auf dieses Urteil hinweisen.

Mit freundlichen Grüßen,
Manfred Krämer

4. Leserbrief

Guten Tag,

bei BlackRock fiel mir sofort der Herr Friedrich Merz ein…

Herzliche Grüße
U.H.



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